Schatten und Halbschatten

Die Ränder des Schattens fragten den Schatten:

„Bald bist du gebückt, bald aufrecht.
Bald zerzaust, bald gekämmt.
Bald sitzt du, bald stehst du.
Bald läufst du, bald bleibst du stehen.
Wie kommt das?“

Der Schatten sprach:

„Alterchen, wie oberflächlich gefragt!
Ich bin – aber ich weiß nicht, warum ich bin.

Ich bin wie die leere Schale der Zikade,
wie die abgestreifte Haut der Schlange.

Ich sehe aus wie etwas – und bin es nicht.

Im Feuer und im Licht des Tages bin ich kräftig.
In der Nacht und im Dunkel verblasse ich.

Ich bin abhängig von jenem anderen.

Kommt er, komme ich.
Geht er, gehe ich.
Ist er stark, bin ich stark.
Und wenn ich stark bin –
was gibt es da noch zu fragen?“

Zhuangzi, frei nach Richard Wilhelms Übersetzung

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